ESG & „Grüne Kredite“: Warum du bald mehr Zinsen zahlst, wenn deine Firma nicht nachhaltig ist

30. Januar 2026

Ich hatte neulich ein Erlebnis bei der Bank, das mir fast die Schuhe ausgezogen hat. Normalerweise fragt der Banker: „Wie viel Umsatz machen Sie?“ und „Wie hoch ist der Gewinn?“.

Diesmal fragte er mich mitten im Gespräch für eine Maschinen-Finanzierung: „Sagen Sie mal, haben Sie eigentlich eine Übersicht über den CO2-Fußabdruck Ihrer Firma? Und wie sieht es mit Sozialstandards bei Ihren Lieferanten aus?“
Ich dachte erst, ich bin im falschen Film. Ich will eine Maschine kaufen, nicht die Welt retten! Aber dann hat er mir mal erklärt, wo der Hase hinläuft. Und Leute, ich sag euch: Das Thema ESG (Environment, Social, Governance) ist kein Marketing-Gag mehr. Es geht jetzt ans Eingemachte. Es geht an unseren Geldbeutel.
Wenn ihr das ignoriert, zahlt ihr künftig drauf. Wortwörtlich.

Was zur Hölle ist ESG?

Ganz kurz für alle, die das Kürzel zwar schonmal gehört haben, aber es (wie ich bis vor kurzem) für Konzern-Bla-Bla hielten:

  • E (Environment): Umwelt. Wie viel Strom verbrauchst du? Nutzt du Erneuerbare? Hast du E-Autos oder Diesel-Stinker?
  • S (Social): Soziales. Arbeitsschutz, faire Löhne, Diversität im Team.
  • G (Governance): Unternehmensführung. Keine Korruption, saubere Steuern, Transparenz.

Das klingt nach viel Papierkram. Ist es auch. Aber warum interessiert das die Bank?

Die Banken stehen unter Druck (EU-Taxonomie)

Die EU hat beschlossen: Europa soll klimaneutral werden. Und weil die Politik das nicht alleine schafft, zwingt sie die Banken dazu, den Geldhahn in die richtige Richtung zu drehen.
Das Stichwort heißt EU-Taxonomie.
Banken müssen in ihren Bilanzen ausweisen, wie „grün“ ihre verliehenen Kredite sind. Eine Bank, die nur Kredite an Kohlekraftwerke und Firmen mit riesigem Energieverbrauch vergibt, bekommt Probleme mit der Aufsicht und muss selbst höhere Zinsen für ihr Geld zahlen.

Und was machen Banken, wenn sie höhere Kosten haben? Richtig, sie geben sie an uns weiter.

„Brown Penalizing“ vs. „Green Discount“

Jetzt wird es spannend für unsere Kreditanfrage. Es entwickeln sich gerade zwei Klassen von Kreditnehmern:

  1. Die „Braunen“ Firmen: Wenn du nicht nachweisen kannst, dass du nachhaltig agierst (oder es dir egal ist), wirst du zum Risiko. Die Bank muss für deinen Kredit mehr Eigenkapital hinterlegen. Folge: Dein Zins steigt. Man nennt das Brown Penalizing.
  2. Die „Grünen“ Firmen: Wenn du investierst, um Energie zu sparen (z.B. neue Dämmung, Solaranlage, energieeffiziente Maschinen), liebt dich die Bank. Das verbessert ihre eigene Öko-Bilanz. Folge: Du kriegst Rabatt. Manche Banken bieten sogenannte Sustainability Linked Loans an. Da sinkt der Zins, wenn du bestimmte Umweltziele erreichst.

Beispiel:

Ich kaufe zwei neue Transporter.

  • Variante A: Zwei Diesel-Fahrzeuge. Zins: 5,9 %.
  • Variante B: Zwei E-Transporter inkl. Ladesäule (gefördert). Zins: 4,5 % (plus KfW-Zuschuss).

Der Unterschied über die Laufzeit ist gewaltig.

Was ihr jetzt tun müsst (bevor der Banker fragt)

Keine Panik, ihr müsst jetzt nicht morgen zum Öko-Aktivisten werden. Aber ihr solltet vorbereitet sein, damit ihr nicht wie ich blöd aus der Wäsche guckt.

1. Energieaudit machen

Schaut euch mal an, wo ihr Energie verbraucht. Oft gibt es Energieberater (werden auch gefördert vom BAFA!), die durch die Firma gehen. Der Bericht von denen ist Gold wert beim Bankgespräch. Er zeigt: „Ich kümmere mich.“

2. Investitionen „grün“ labeln

Wenn ihr einen Kredit braucht, überlegt: Kann ich das irgendwie mit Nachhaltigkeit verbinden?

Statt „Ich brauche Geld für neue Fenster“, schreibt in den Antrag: „Energetische Sanierung der Gebäudehülle zur Senkung der Heizkosten um 20%“.

Das ist technisch das Gleiche, aber für den Banker landet der Antrag auf einem anderen Stapel (dem „Guten“).

3. Daten sammeln

Fangt an, eure Stromrechnungen und Spritkosten ordentlich zu sammeln und in eine kleine Excel-Tabelle zu packen. Wenn ihr der Bank zeigen könnt: „Hey, wir haben den Stromverbrauch pro produziertem Teil um 5% gesenkt“, dann ist das ein riesiger Pluspunkt beim Rating.

Umweltschutz lohnt sich (endlich)

Früher war Umweltschutz im Unternehmen oft ein reiner Kostenfaktor. „Kostet Geld, bringt nix.“ Das hat sich gedreht. Wer heute noch in veraltete, energiefressende Technik investiert, verbrennt doppelt Geld: Einmal bei der Stromrechnung und einmal bei den Kreditzinsen.

Ich achte mittlerweile bei jeder Anschaffung darauf, ob es eine energieeffiziente Variante gibt. Nicht nur wegen dem Planeten (ist auch wichtig, klar), sondern weil ich keinen Bock habe, der Bank unnötig Zinsen zu schenken. Wie siehts bei euch aus? Hat euch die Bank schonmal auf Nachhaltigkeit angesprochen? Oder ist das bei euch noch kein Thema? Ich wette, es kommt bald. Seid vorbereitet!

Bleibt sauber (und flüssig)