Altes Eisen oder Goldgrube? Wie Du Gebrauchtmaschinen finanzierst (wenn die Bank abwinkt)
Erinnert ihr euch an meinen letzten Artikel? Da hab ich kurz erzählt, dass ich mir eine gebrauchte Maschine auf einer Auktion geschossen habe. Daraufhin kamen direkt ein paar Mails von euch rein: „Sag mal Alex, wie hast du das Ding eigentlich bezahlt? Meine Bank finanziert mir nichts, was älter als 5 Jahre ist!“
Tja, und genau da liegt der Hund begraben. Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft, und das gilt leider oft auch für Banken. Die wollen, dass wir glänzende, neue Roboter kaufen.
Aber seien wir ehrlich: Manchmal ist die gute alte „Heidelberg“ Druckmaschine von 2015 oder der gebrauchte Bagger mit 4.000 Betriebsstunden einfach die wirtschaftlich vernünftigere Entscheidung. Er ist billiger, er ist sofort verfügbar (keine 12 Monate Lieferzeit!), und er macht den Job genauso gut.
Das Problem: Wenn Du mit dem Kaufvertrag für eine 10 Jahre alte Maschine zu deinem klassischen Bankberater gehst, kriegt der Schweißperlen auf der Stirn.
Warum? Weil er den Wert nicht einschätzen kann. „Was ist, wenn das Ding morgen kaputt geht? Dann ist unsere Sicherheit futsch.“
Wie Du trotzdem an dein Geld kommst und warum der klassische „Investitionskredit“ hier oft die falsche Wahl ist, das verrate ich euch heute.
Warum „Neu“ nicht immer besser ist (und „Alt“ schwer zu finanzieren)
Ich bin ein Fan von „Second Hand“ im Business. Es schont die Liquidität und ist – Stichwort Nachhaltigkeit – oft besser als Neubau.
Aber die Banken haben ein Bewertungsproblem. Bei einer neuen Maschine gibt es eine Rechnung vom Hersteller. Wert = Preis. Fertig.
Bei einer Gebrauchten gibt es einen Marktpreis, einen Auktionspreis, einen Restwert… Chaos.
Deshalb lehnen viele Hausbanken reine Investitionskredite für Objekte ab, die älter als 7 oder 8 Jahre sind. Oder sie verlangen, dass Du 50% Eigenkapital mitbringst. Das killt aber den Liquiditäts-Vorteil.
Die Lösung heißt nicht Kredit, sondern „Mietkauf“
Hier ist mein Insider-Hack, den ich selbst für meine Auktions-Maschine genutzt habe:
Vergiss das Wort „Darlehen“. Frag nach Mietkauf.
Mietkauf ist der Zwitter aus Leasing und Kredit.
- Eigentum: Im Gegensatz zum Leasing gehört das Ding am Ende (mit Zahlung der letzten Rate) automatisch DIR. Das ist wichtig, wenn Du Förderungen (wie Investitionszulagen) nutzen willst.
- Sicherheit: Das Objekt selbst ist die Sicherheit. Da der Mietkauf-Anbieter (oft spezialisierte Leasinggesellschaften) Eigentümer bleibt bis zum Schluss, ist sein Risiko geringer als bei der Bank, die „nur“ eine Sicherungsübereignung hat.
Es gibt Spezialanbieter am Markt (z.B. MMV, akf, oder Nischen-Finanzierer), die sich auf „altes Eisen“ spezialisiert haben. Die wissen genau, dass eine CNC-Fräse auch nach 12 Jahren noch Geld wert ist. Denen musst Du nicht erklären, warum Du gebraucht kaufst. Die verstehen das Asset.
Der „Wertgutachten-Trick“
Wenn es um richtig teure Gebrauchtmaschinen geht (sagen wir mal > 50.000 Euro), verlangt die Bank oder der Finanzierer oft einen Nachweis über den Wert.
Hier mein Tipp: Spare nicht am Gutachter!
Wenn Du eine Maschine von privat oder aus einer Insolvenz kaufst, lass sie VORHER bewerten. Ein Wertgutachten (kostet vielleicht 500-800 Euro) ist für den Finanzierer pures Gold. Es gibt ihm die Sicherheit, dass er kein Schrott kauft.
Oft finanzieren Banken dann plötzlich bis zu 100% des Gutachtenwertes, auch wenn der Kaufpreis niedriger war (sogenannter „Stiller Reserven“-Effekt).
Achtung Falle: Umsatzsteuer!
Ein technisches Detail, über das ich schon mal gestolpert bin (und das tat weh):
Beim Investitionskredit zahlt die Bank dir den Nettobetrag, die MwSt. streckst du meist vor und holst sie vom Finanzamt wieder. Easy.
Beim Mietkauf von Gebrauchtmaschinen musst Du oft die komplette Mehrwertsteuer auf die Summe aller Raten am Anfang als Anzahlung leisten!
Das kann bei 100.000 Euro Investition mal eben 19.000 Euro sein, die sofort fällig sind. Du kriegst sie zwar bei der nächsten Umsatzsteuervoranmeldung wieder, aber für 4-6 Wochen fehlt das Geld auf dem Konto.
Plant diese „MwSt-Lücke“ unbedingt in euren Cashflow ein!
Mut zum Gebrauchten
Lasst euch nicht einreden, dass ihr nur investieren könnt, wenn ihr Neuware kauft.Der Markt für Investitionskredite und Mietkauf für Gebrauchtmaschinen (im Fachjargon „Used Equipment Finance“) ist riesig. Ihr müsst nur die Hausbank links liegen lassen und euch an Spezialisten wenden.
Ich arbeite mit meiner 8 Jahre alten Maschine jetzt seit zwei Monaten – sie läuft wie ein Uhrwerk und hat mich nur 40% vom Neupreis gekostet. Die Finanzierung läuft über 36 Monate Mietkauf. Besser geht’s nicht.
Kauft ihr auch gebraucht oder muss es bei euch immer „frisch aus der Fabrik“ sein? Schreibt mir mal, welche „Schätzchen“ ihr so im Betrieb habt!