Meine Top 5 Tools für die Liquiditätsplanung: Von der Excel-Hölle bis zur Fintech-App (Gratis & Profi)

6. Februar 2026

Heute machen wir mal die Motorhaube auf und schauen in den Maschinenraum.
Ich habe in den letzten Artikeln viel über Kredite, Banken und Verhandlungen geredet. Aber wisst ihr, was die absolute Basis für jedes Bankgespräch ist? Und was mir persönlich schon zweimal den Hintern gerettet hat, als es eng wurde?
Ein vernünftiger Liquiditätsplan.
Ich weiß, das Wort klingt so sexy wie eine Wurzelbehandlung.
Früher habe ich mein Konto nach „Bauchgefühl“ geführt. „Ach, da sind noch 10.000 Euro drauf, ich kann die Rechnung bezahlen.“
Zwei Tage später hat das Finanzamt abgebucht. Konto im Minus. Panik. Mahngebühren. Stress.

Damit euch das nicht passiert, habe ich mich durch den Dschungel der Tools gewühlt. Von der kostenlosen Excel-Tapete bis zur High-End-KI-Lösung. Hier ist mein „Werkzeugkasten“ für euch – ungeschönt und praxiserprobt.

Warum die BWA nicht reicht (Der klassische Denkfehler)

Bevor wir zu den Tools kommen, eine Sache vorweg:

Die BWA (vom Steuerberater) ist ein Blick in den Rückspiegel. Sie sagt dir, was letzten Monat passiert ist.
Der Liquiditätsplan ist der Blick durch die Frontscheibe. Er sagt dir, wann du gegen die Wand fährst, bevor es knallt.
Wer nur nach BWA steuert, fährt quasi blind auf der Autobahn. Ihr braucht ein Tool, das in die Zukunft schaut.

Tool 1: Microsoft Excel (Der kostenlose Klassiker)

Fangen wir mit dem an, was jeder hat. Ich habe die ersten 5 Jahre alles in Excel gemacht.

  • Vorteil: Kostet nix (hat man eh), volle Flexibilität.
  • Nachteil: Die sogenannte „Excel-Hölle“. Einmal die Formel zerschossen, und nichts stimmt mehr. Es ist viel Handarbeit.

Mein Tipp für den Start:

Baut euch keine Monster-Tabelle. Macht es simpel:

  • Spalte A: Datum / Woche
  • Spalte B: Geplante Einnahmen (Netto!)
  • Spalte C: Fixkosten (Miete, Gehälter)
  • Spalte D: Variable Kosten (Wareneinkauf, Steuern)
  • Spalte E: Kontostand am Ende der Woche

Das Wichtigste ist Spalte E. Wenn die in Woche 4 rot wird, wisst ihr HEUTE schon, dass ihr handeln müsst (z.B. Factoring nutzen oder Kunden anrufen).

Es gibt im Netz hunderte Gratis-Vorlagen („Liquiditätsplan Excel Vorlage kostenlos“). Ladet euch eine runter und passt sie an.

Tool 2: Tidely (Der Newcomer aus Deutschland)

Irgendwann hat mich Excel genervt. Ich wollte was, das automatisch weiß, wie viel Geld auf dem Konto ist.

Ich habe mir Tidely angeschaut (sitzen in München, glaube ich).

  • Was es kann: Es zieht sich die Daten direkt vom Bankkonto. Du musst also nicht mehr abtippen, was heute passiert ist.
  • Mein Eindruck: Super für kleinere Unternehmen und Startups. Es ist sehr übersichtlich („aufgeräumt“). Man sieht sofort, wie lange die „Runway“ (das Geld) noch reicht.
  • Kosten: Kostet monatlich ein paar Euro, aber spart halt Zeit. Für den Einstieg weg von Excel fand ich das sehr charmant.

Tool 3: Agicap (Der Profi für den Mittelstand)

Das ist das Tool, das ich aktuell nutze, weil wir mittlerweile mehrere Konten und komplexere Zahlungsströme haben.

Agicap ist in der Szene gerade der Platzhirsch.

  • Der Killer-Feature: Die Szenarien.Du kannst per Klick simulieren: „Was passiert, wenn der Großkunde erst in 60 Tagen zahlt statt in 30?“ oder „Was, wenn wir jetzt 50.000 € Kredit aufnehmen?“Das Tool zeigt dir sofort die Kurve für die nächsten 12 Monate.
  • Nachteil: Es ist teurer als die einfachen Tools. Lohnt sich meiner Meinung nach erst, wenn ihr wirklich Umsatz macht und Excel euch Kopfschmerzen bereitet. Aber für das Bankgespräch sind die Grafiken daraus Gold wert. Der Banker sieht: „Aha, der Alex hat Szenarien geplant.“

Tool 4: Commitly (Die Cloud-Alternative)

Ähnlich wie Tidely und Agicap. Commitly ist auch sehr beliebt bei KMUs in DACH (Deutschland, Österreich, Schweiz).

Ich fand hier die Kategoriesierung extrem gut. Das Tool lernt mit der Zeit: „Aha, ‚Shell Tankstelle‘ ist immer ‚Fahrzeugkosten'“. Das spart unendlich viel Sortier-Arbeit.

Wer Cloud-Software mag und keine Lust auf Installation hat, sollte sich das im direkten Vergleich zu den anderen mal ansehen. Die haben oft eine kostenlose Testphase – nutzt die!

Tool 5: Der „analoge“ Hack (Mein Geheimtipp!)

Okay, jetzt haltet mich für verrückt. Aber neben all der Software habe ich ein Tool, das nie abstürzt:
Ein riesiger Wandkalender im Büro.

Dort trage ich mit einem dicken roten Stift nur ZWEI Dinge ein:

  1. Steuer-Termine: Wann wird USt abgebucht? Wann kommt die Gewerbesteuer?
  2. Große Kredit-Tilgungen: Wann geht die Rate für die neue Maschine ab?

Warum? Weil Apps oft „versteckt“ im Handy sind. Den Kalender sehe ich jeden Morgen, wenn ich mir den ersten Kaffee hole.

Wenn ich sehe „Oh, am 10. ist Umsatzsteuer“, dann gebe ich vorher kein Geld für Unsinn aus. Das ist psychologische Kriegsführung gegen den eigenen inneren Verschwender.

Das Tool ist egal, das Tun ist wichtig

Leute, ob ihr Excel nutzt, Agicap oder einen Bierdeckel: Macht es.
Fangt heute an.
Tragt ein, was in den nächsten 3 Monaten an Fixkosten rausgeht.
Schätzt konservativ, was reinkommt (plant lieber mit weniger Einnahmen).

Der Moment, in dem ihr wisst: „Im November wird es eng, mir fehlen 2.000 Euro“, ist kein Moment der Panik mehr. Es ist ein Moment der Kontrolle. Denn jetzt habt ihr noch 3 Monate Zeit, das Problem zu lösen (z.B. durch einen kurzfristigen Kontokorrent oder indem ihr Rechnungen früher stellt).

Was nutzt ihr? Seid ihr noch „Team Excel“ oder habt ihr schon auf Software umgestellt? Schreibt mir mal eure Erfahrungen – vielleicht gibt es ja noch ein geheimes Tool, das ich übersehen habe!