Dein Fuhrpark als Bankautomat? Wie „Sale and Lease Back“ deine Liquidität rettet (Der unterschätzte Hack)

10. Februar 2026

Heute muss ich mal ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern. Es gibt Situationen im Unternehmerleben, da läuft es eigentlich super – Auftragsbücher voll, Kunden happy. Aber auf dem Konto herrscht Ebbe.
Vielleicht, weil ein großer Kunde seine Rechnung erst in 60 Tagen zahlt. Oder weil das Finanzamt eine saftige Nachzahlung will (wer kennt’s nicht?). Oder ihr wollt einfach jetzt eine Marketing-Kampagne starten, aber die Bank sagt: „Nö, Betriebsmittelkredite machen wir gerade nicht.“
Genau in so einer Situation war ich vor ein paar Jahren. Ich brauchte dringend 50.000 Euro für Materialeinkauf. Die Bank wollte Sicherheiten, die ich nicht hatte.
Da gucke ich aus dem Fenster auf meinen Hof. Da stehen zwei Transporter und eine ziemlich teure Spezialmaschine. Alle bezahlt. Alle gehören mir.
Und da dämmerte es mir: Ich sitze auf einem Haufen Geld, ich kann es nur nicht ausgeben!
Die Lösung? Sale and Lease Back.
Klingt kompliziert englisch, ist aber genial einfach. Ich erkläre euch heute, wie ihr euer Anlagevermögen zu flüssigem Geld macht, ohne dass sich im Betrieb irgendwas ändert.

Was zur Hölle ist Sale and Lease Back?

Das Prinzip ist simpel:

  1. Ihr verkauft eure eigene Maschine (oder LKW, IT-Anlage, etc.) an eine Leasinggesellschaft.
  2. Die Leasinggesellschaft überweist euch den Kaufpreis (z.B. den aktuellen Marktwert) sofort auf euer Konto. Bäm, Liquidität!
  3. Ihr least das Objekt im gleichen Moment wieder zurück.
  4. Die Maschine bleibt stehen, wo sie ist. Ihr nutzt sie weiter. Keiner merkt was. Nur euer Kontostand sieht plötzlich viel besser aus.

Ihr tauscht also Eigentum gegen Liquidität. Statt einer „toten“ Maschine in der Bilanz habt ihr Cash für Wachstum, zahlt dafür aber ab sofort eine monatliche Leasingrate.

Warum macht man das? (Und warum nicht einfach ein Kredit?)

Gute Frage. Warum nicht einfach zur Bank gehen und die Maschine beleihen? Weil Banken oft träge sind (siehe mein Artikel über Online-Kredite) und Sicherungsübereignungen hassen. Beim Sale and Lease Back habt ihr es mit Spezialisten zu tun. Die gucken sich die Maschine an, bewerten sie und zahlen aus. Oft innerhalb von 1-2 Wochen.

Der Turbo-Effekt für die Bilanz:

Wenn ihr eine Maschine verkauft, die in euren Büchern schon fast abgeschrieben ist (also mit 1 Euro drinsteht), aber in echt noch 20.000 Euro wert ist, hebt ihr sogenannte stille Reserven.
Das verbessert eure Eigenkapitalquote in der Bilanz massiv! Und eine bessere Bilanz heißt beim nächsten Bankgespräch wieder: bessere Zinsen. Ein genialer Kreislauf.

Aber Achtung: Es ist kein „Notkredit“ für Pleitegeier!

Hier muss ich mal den Zeigefinger heben. Sale and Lease Back funktioniert nur, wenn eure Firma grundsätzlich gesund ist.
Die Leasinggesellschaft prüft eure Bonität. Wenn ihr schon mit einem Bein in der Insolvenz steht, machen die das nicht. Es ist ein Instrument für Wachstum oder Überbrückung, nicht für die Sanierung.

Was kann man alles „versilbern“?

Ich war überrascht, was da alles geht. Es sind nicht nur die großen CNC-Fräsen.

  • Fuhrpark: Transporter, PKW, Gabelstapler (der Klassiker!).
  • IT-Hardware: Server, Laptops (wenn sie nicht zu alt sind).
  • Ladeneinrichtung: Ja, sogar Regalsysteme oder Küchengeräte in der Gastro.

Wichtig ist nur: Das Zeug muss fungibel sein. Das heißt, die Leasinggesellschaft muss es im Notfall (wenn ihr nicht zahlt) gut weiterverkaufen können. Eine speziell für euch angefertigte Maschine ist da schwieriger als ein Standard-Mercedes-Sprinter.

Mein Praxis-Fazit: Teuer, aber effektiv

Machen wir uns nichts vor: Die Leasingraten, die ihr dann zahlt, enthalten natürlich Zinsen und Gebühren. Auf lange Sicht zahlt ihr mehr, als wenn ihr die Maschine einfach behalten hättet.
Aber Liquidität heute ist oft mehr wert als Kostenersparnis morgen.
Wenn ich mit den 50.000 Euro Material kaufen kann, das ich zu 80.000 Euro veredelt weiterverkaufe, hat sich der Deal gelohnt.
Ich habe das damals mit meinen Transportern gemacht. Das Geld war nach 10 Tagen da, ich konnte das Material kaufen, den Auftrag abwickeln und hab die Leasingraten locker aus dem Cashflow bedient.
Würde ich es wieder tun? Sofort.
Habt ihr „totes Kapital“ im Keller oder auf dem Hof stehen? Rechnet mal zusammen, was da an Werten schlummert. Manchmal ist die eigene Firma die beste Bank.