Leasing vs. Investitionskredit: Was lohnt sich wirklich? (Ein ehrlicher Praxis-Check)

Gestern Abend beim Feierabendbier mit einem befreundeten Handwerker kam wieder diese eine Frage auf. Er braucht dringend einen neuen Transporter. Der Alte fällt fast auseinander (buchstäblich, der Auspuff wird nur noch von Draht gehalten). Er fragte mich: „Sag mal Alex, soll ich die Kiste eigentlich leasen oder lieber klassisch finanzieren? Was machst du immer?“
Tja, und genau da fangen die Kopfschmerzen meistens an.

Ich habe in meiner Laufbahn als Selbstständiger schon beides gemacht. Und ich habe auch schon Lehrgeld bezahlt, weil ich mich falsch entschieden hab. Damit euch das nicht passiert, dröseln wir das heute mal ganz genau auf. Keine Sorge, ich versuche das Fachchinesisch wegzulassen, wo es geht.
Es ist nämlich nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch der Nerven und – ganz wichtig – der Steuern.

Der Mythos: „Leasing ist immer besser für die Steuer“

Diesen Satz hört man an jedem Stammtisch. „Lease das, dann kannst du alles absetzen!“
Ganz ehrlich? Das stimmt oft, aber eben nicht immer.

Beim Leasing mietet ihr das Objekt im Grunde nur. Ob Auto, Kopierer oder CNC-Fräse. Die Raten sind für uns Unternehmer sofort als Betriebsausgaben absetzbar. Das drückt den Gewinn und damit die Steuerlast. Das schmeckt dem Finanzamt natürlich nicht, aber uns umso mehr.
Ein weiterer Vorteil, den viele vergessen: Die Bilanzneutralität. Das geleaste Gut taucht nicht in eurer Bilanz auf (außer bei Spezialfällen, aber das führt hier zu weit). Das heißt, eure Eigenkapitalquote sieht hübscher aus. Das ist wichtig, wenn ihr später mal für was anderes zur Bank müsst.

Aber jetzt kommt das große ABER:
Am Ende der Laufzeit gehört euch… nichts. Null. Nada. Ihr gebt den Schlüssel ab und das wars. Oder ihr kauft es teuer raus.

Der Investitionskredit: Warum „Kaufen“ oft unterschätzt wird

Ich bin mittlerweile ein ziemlicher Fan vom klassischen Investitionskredit. Warum? Weil ich gerne Besitzer bin.

Wenn ich mir eine Maschine über einen Kredit kaufe, gehört sie mir ab Tag 1 (gut, die Bank hat meistens die Hand drauf als Sicherheit, aber wirtschaftlich gehört sie mir).

Das bedeutet:

  1. Abschreibung (AfA): Ich kann die Anschaffungskosten über die Jahre abschreiben. Das mindert auch die Steuer.
  2. Zinsen absetzen: Die Kreditzinsen sind Betriebsausgaben.
  3. Förderung! Das ist der eigentliche Killer-Faktor. Für viele Leasing-Verträge gibt es keine staatlichen Zuschüsse. Für Investitionskredite (gerade über die KfW oder Landesbanken) gibt es oft Tilgungszuschüsse oder super niedrige Zinsen. Da kann kein Leasing-Anbieter mithalten.

Meine Entscheidungs-Matrix (Tutorial)

Wie entscheide ich also jetzt, wenn ich vor einer Anschaffung stehe? Ich gehe diese Checkliste durch. Könnt ihr euch gerne kopieren:

1. Wie lange will ich das Ding nutzen?

Brauche ich den Transporter nur für 3 Jahre und will dann eh das neuste Modell? -> Leasing.

Will ich die Maschine 10 Jahre lang rocken, bis sie auseinanderfällt? -> Investitionskredit.

Beim Leasing seid ihr oft an starre Laufzeiten gebunden. Wenn ihr früher raus wollt, wirds teuer. Den Kredit kann man oft (gegen Vorfälligkeitsentschädigung) ablösen oder die Maschine einfach verkaufen und den Kredit tilgen.

2. Wie sieht meine Liquidität aus?

Beim Kredit muss man oft eine Anzahlung leisten oder zumindest die Mehrwertsteuer vorstrecken (die kriegt man zwar vom Finanzamt wieder, aber erst später). Beim Leasing gibt es oft Angebote „ohne Anzahlung“. Wer also gerade knapp bei Kasse ist, fährt mit Leasing oft flüssiger.

3. Wer trägt das Risiko?

Das ist mir mal beim Leasing passiert: Kratzer im Lack, Sitze abgenutzt, Mehrkilometer gefahren. Bei der Rückgabe kam die dicke Rechnung. Der Gutachter vom Leasinggeber hat jeden Krümel gesucht.

Wenn mir das Auto gehört (Kredit), interessiert niemanden der Kratzer in der Stoßstange, solange die Karre fährt.

Der direkte Vergleich (Für die Schnellen)

Hier nochmal kurz und knackig gegenübergestellt, damit ihr es auf einen Blick habt:

FeatureInvestitionskreditLeasing
EigentumSofort (wirtschaftlich) bei dirBleibt beim Leasinggeber
SteuervorteilAbschreibung + SchuldzinsenLeasingraten voll absetzbar
LaufzeitFlexiblerMeist starr festgelegt
FördergelderOft möglich (KfW etc.)Eher selten / schwierig
RestwertrisikoTrägst du (Verkaufspreis)Trägt oft der Leasinggeber (aber Nachzahlung droht!)

Ein Wort zu den Anbietern

Wenn ihr euch für Leasing entscheidet, schaut nicht nur auf die Rate. Guckt euch den Restwert an. Es gibt Verträge, da ist die Rate super niedrig, aber am Ende müsst ihr garantiert noch 5.000 Euro nachzahlen, wenn der Wagen nicht mehr wie neu aussieht. Das sind Lockangebote.
Beim Kredit habe ich, wie im letzten Artikel erwähnt, gute Erfahrungen mit Vergleichsportalen wie Compeon oder Finanzcheck für Gewerbe gemacht, weil man da auch Angebote abseits der Hausbank sieht. Manchmal bieten auch die Hersteller selbst (z.B. bei Maschinen) eine Finanzierung an. Rechnet das aber genau durch! Oft sind die Zinsen da versteckt höher als bei der Hausbank.

Mein persönliches Fazit

Ich mache es mittlerweile so:
IT-Geräte (Laptops, Server), die nach 3 Jahren eh veraltet sind -> Leasing. Da will ich mich nicht mit Elektroschrott-Entsorgung rumärgern.
Alles was „Substanz“ hat (Büroeinrichtung, große Maschinen, Umbau) -> Investitionskredit. Ich will, dass das Zeug mir gehört und ich es in der Bilanz habe. Außerdem liebe ich die KfW-Förderungen viel zu sehr, um sie liegen zu lassen.
Wie seht ihr das? Seid ihr Team „Mieten“ oder Team „Kaufen“? Ich weiß, da scheiden sich die Geister.

Schreibt mir gerne mal, ob ihr schonmal Ärger bei der Leasing-Rückgabe hattet – das würde mich echt interessieren!

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