Rechnet sich ein Investitionskredit? So kalkuliere ich es Schritt für Schritt (mit echter Praxisformel)
Viele Unternehmer stellen sich dieselbe Frage:
„Lohnt sich dieser Investitionskredit wirklich – oder rede ich mir das nur schön?“
Ich habe früher auch aus dem Bauch heraus entschieden. Heute nicht mehr.
Heute rechne ich jede größere Investition mit einer klaren Struktur durch. Und genau diese Struktur zeige ich dir jetzt. Kein Banksprech. Keine Theorie. Sondern meine echte Praxis-Formel.
Schritt 1: Die ehrliche Investitionssumme ermitteln
Nicht nur der Kaufpreis zählt.
Zur Investitionssumme gehören:
- Anschaffungskosten
- Installation
- Schulung
- Neben- und Beratungskosten
- Reservepuffer (mind. 10–20 %)
Beispiel:
Maschine kostet 80.000 €
Nebenkosten 10.000 €
Puffer 10.000 €
➡️ Reale Investition: 100.000 €
Viele rechnen nur die 80.000 €.
Das ist der erste Denkfehler.
Schritt 2: Die tatsächliche Kreditbelastung berechnen
Jetzt kommt der Teil, den viele unterschätzen.
Beispiel:
100.000 € Kredit
5 % Zins
7 Jahre Laufzeit
Monatliche Rate: ca. 1.415 €
Gesamtkosten über Laufzeit: ca. 118.800 €
Das heißt:
➡️ Der Kredit kostet dich 18.800 € Zinsen.
Jetzt wird’s spannend.
Schritt 3: Den realistischen Mehrwert berechnen
Jetzt frage ich nicht: „Wie viel könnte ich verdienen?“
Sondern: „Was ist das konservative Szenario?“
Beispiel:
- Mehrproduktion bringt 3.000 € Umsatz pro Monat
- Marge 30 %
➡️ Gewinnzuwachs: 900 € pro Monat
Das reicht nicht.
Denn die Rate liegt bei 1.415 €.
Also weiterdenken:
Vielleicht spart die Maschine zusätzlich:
- 700 € Personalkosten
- 300 € Materialkosten
➡️ Gesamte monatliche Verbesserung:
900 € + 1.000 € = 1.900 €
Jetzt sieht es anders aus.
Schritt 4: Der Sicherheits-Test
Ich stelle mir immer diese Frage:
Was passiert, wenn alles 30 % schlechter läuft als geplant?
1.900 € × 70 % = 1.330 €
Die Kreditrate beträgt 1.415 €.
Das ist knapp.
Zu knapp.
Also würde ich entweder:
- Laufzeit verlängern
- Eigenkapital erhöhen
- oder Projekt anpassen
Erst wenn der „Worst-Case-Test“ besteht, unterschreibe ich.
Schritt 5: Die Opportunitätskosten bedenken
Was passiert, wenn ich NICHT investiere?
- Verliere ich Marktanteile?
- Bleibe ich ineffizient?
- Verzögere ich Wachstum?
Oft ist Nicht-Investieren teurer – nur weniger sichtbar.
Meine persönliche Entscheidungsregel
Ich nehme einen Investitionskredit nur auf, wenn drei Bedingungen erfüllt sind:
- Die Investition bringt messbaren Mehrwert
- Die Rate ist auch im schlechten Szenario tragbar
- Ich habe mindestens 6 Monate Liquidität als Reserve
Fehlt einer dieser Punkte, warte ich.
Ein Investitionskredit lohnt sich nicht, weil er günstig ist. Er lohnt sich, wenn er dein Unternehmen stärker macht – selbst unter Druck. Rechnen schützt vor Emotionen.
Und Emotionen sind bei Finanzentscheidungen selten gute Ratgeber.